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Die technische Basis: Das Passen in Überzahl trainieren

Ein erfolgreiches Überzahlspiel steht und fällt mit der Qualität der Zuspiele. Umgekehrt fördern Überzahlsituationen im Training das Passen und motivieren zum Ausspielen der Verteidiger. In kleinen Spielformen mit Überzahl wie 2 gegen 1, 3 gegen 2 oder 4 gegen 2 sind Präzision und Schärfe der Pässe entscheidend, um den Verteidiger gar nicht erst in den Zweikampf kommen zu lassen. Beides kann in Überzahl trainiert und vom Trainer gecoacht werden. Dabei ist die Beidfüßigkeit ein oft unterschätzter Erfolgsfaktor: Nur wer mit beiden Füßen sicher passt, bleibt für den Gegner unberechenbar und kann den Ball in jeder Situation sofort weiterspielen. Modernes Passtraining bindet zugleich die Mitnahme in die Bewegung und in Spielrichtung ein. Die Spieler nutzen den ersten Kontakt, um das Tempo hochzuhalten und sofort den nächsten Raum zu attackieren. Auch die Mitnahme in die Bewegung wird in kleinen Überzahlspielen automatisch gefördert.

Strategische Raumaufteilung im Überzahlspiel

Die psychologische Komponente spielt eine wesentliche Rolle, denn eine Überzahl motiviert zum Passen und fördert das Kombinationsspiel. In komplexeren Szenarien wie dem 3 gegen 2 oder 4 gegen 2 geht es primär um das intelligente Ausspielen der Überzahl. Hierbei sind vor allem diagonale Pässe das Mittel der Wahl, da sie mehrere Verteidigungslinien gleichzeitig überspielen und den Gegner zu schnellen Positionswechseln zwingen. Durch die richtige Staffelung im Raum entstehen Passwinkel, die dem Ballführenden immer mindestens zwei Anspielstationen bieten und den Gegner erfolglos laufen lassen.

Spielformen zur Förderung der Spielverlagerung

Um taktische Prinzipien wie die Spielverlagerung gemeinsam mit dem Passen gezielt zu schulen, bieten sich Spiele auf 4 Minitore an. Diese Spielform provoziert das Erkennen von freien Räumen auf der fernen Seite. Die Akteure werden dazu animiert, durch schnelle Pässe den Druck auf einer Seite zu erhöhen, um dann mit einem schnellen Pass die Seite zu wechseln. Die Tore an den äußeren Flügeln motivieren zur Seitenverlagerung, da der Erfolg hier unmittelbar belohnt wird. So lernen Spieler in kleinen Spielformen, dass ein kurzer Querpass oft nur die Vorbereitung für den entscheidenden diagonalen Tiefenpass in den freien Raum ist.

Trainingsbeispiel: Doppeltes 2 gegen 1 (Coaching Zone-Übung 4213)

Nehmen wir ein Beispiel: In einem ca. 30 x 20 Meter großen Feld mit 4 Minitoren und einer Mittellinie wird je 1 Verteidiger jeder Feldhälfte zugeordnet. Je 1 Spieler steht neben jedem Minitor. 2 Spieler an einer Seite starten mit Ball ins Feld und spielen 2 x 2 gegen 1 in den Feldhälften auf die gegenüberliegenden Minitore. Treffer dürfen nur in der zweiten Hälfte erzielt werden. Die Verteidiger dürfen ihre Hälfte nicht verlassen. Bei Balleroberung kontern sie auf die anderen beiden Minitore und dürfen sich frei im gesamten Feld bewegen. Das Überzahlspiel sorgt doppelt für 2 gegen 1-Situationen, die von den Spielern geschickt ausgenutzt werden müssen, um in den Minitoren Treffer zu erzielen. Mitnahme in die Bewegung, Beidfüßigkeit, diagonale Pässe und Freilaufen werden spielerisch gefördert.